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TON

"I'm not impressed by someone's degree. I'm impressed by them making movies."
Richard King
Designer
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Der Boom Operator in Aktion.

Den richtigen Ton treffen

Die Aufgabe des Ton-Teams beim Dreh eines Films teilt sich in verschiedene Phasen ein. Die erste dieser Phasen ist der Dreh selbst, bei dem es darauf ankommt, den sogenannten „Production Sound“ in möglichst guter Qualität und störungsfrei aufzunehmen. Wenn von Production Sound gesprochen wird, meint man damit in der Regel nur den Dialog, bzw. das gesprochene Wort in einer Szene. Dazu reicht das interne Mikrofon der Kamera nicht aus. Stattdessen werden verschiedene Mikrofontypen verwendet. Hier ist es ebenfalls die Aufgabe des Ton-Teams eine Mikrofonkombination auszuwählen, die für die jeweilige Szene am besten geeignet ist. In den meisten Fällen bedeutet dies, dass alle Schauspieler*innen mit einem sogenannten Lavalier Mikrofon ausgestattet wird. Das ist ein kleines, drahtloses Mikrofon, das in der Regel unter dem Kostüm der Schauspieler*innen versteckt wird. Zusätzlich wird ein Richtmikrofon verwendet. Dieses hat die Eigenschaft, auch entferntere Schallquellen aufzunehmen, ohne dass zu viele Umgebungsgeräusche mit aufgezeichnet werden. Dennoch ist es wichtig, das Mikrofon möglichst nah an den Sprechenden zu platzieren. Dafür wird ein ausfahrbarer Stock benutzt, den man auch „Boom Pole“ nennt. Diejenigen, die am Set das Mikrofon halten, werden auch „Boom Operator“ genannt und stehen im ständigen Austausch mit dem Kamerateam, damit das Mikrofon nicht im Bild zu sehen ist. Das Tonmaterial aus allen Mikrofonen wird dann zentral in einem „Field-Recorder„, also einem tragbaren Aufnahmegerät aufgenommen. In der Postproduktion wird das Tonmaterial dann mit dem Bildmaterial synchronisiert. Das ist übrigens auch die Funktion der klassischen Filmklappe: Das laute und kurze Geräusch der Klappe ist später sowohl im Ton, als auch im Bild gut erkennbar und erleichtert so die Synchronisation.

Die zweite Phase beginnt nach dem eigentlichen Dreh. Hier werden alle Töne und Geräusche aufgenommen, die am Set nicht aufgezeichnet wurden, aber für die filmische Wahrnehmung der Szene wichtig sind. Das betrifft sowohl Umgebungsgeräusche, wie z.B. den Lärm einer Stadt, oder das Zirpen von Grillen in der Nacht, als auch Schritte, Schüsse, Kampflärm, etc, also alle Geräusche, die durch die Handlung in der Szene erzeugt werden. Der Prozess dieser Nachvertonung wird auch „Foley“ genannt, was auf einen ehemaligen Toningenieur in Hollywood namens Jack Foley zurückgeht. Aber warum werden all diese Geräusche nicht direkt am Set mit aufgenommen? Einer der Gründe ist, dass sie den Dialog beim Dreh stören würden, wie zum Beispiel das Geräusch von lauten Baumaschinen im Hintergrund. Ein weiterer ist, dass man so in der Nachbearbeitung die Möglichkeit hat, einzelne Geräusche unabhängig voneinander zu bearbeiten. Dadurch kann die Wirkung einer Szene auf dieZuschauer*innen stark beeinflusst werden.

In der letzten Phase, der Ton-Nachbearbeitung, werden alle aufgenommenen Stimmen, Töne, Geräusche und die Filmmusik der Komponist*innen in ein stimmiges Verhältnis gebracht. Dadurch soll sichergestellt werden, dass alle Szenen des Films möglichst  einheitlich laut und die Stimmen jederzeit gut zu verstehen sind. In dieser Phase wird außerdem entschieden, welche Geräusche wie laut auf welchem Lautsprecher des Kinos zu hören sein sollen. Hier entstehen dann auch die Sorround Effekte, die dafür sorgen, dassman im Kino das Gefühl hat, ein vorbeifliegendes Flugzeug fliegt tatsächlich von links nach rechts durchden Saal.

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Mit dem Kopfhörer wird der aufgenomme Ton kontrolliert.
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Alle Signale werden mit dem Fieldrecorder aufgenommen.