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COLOR GRADING

„Fantasy and reality often overlap.“
Walt Disney
Trickfilmzeichner

Der Da Vinci Code

Die Farbkorrektur ist eine der schwierigsten Aufgaben der Postproduktion. Das liegt daran, dass viele Entscheidungen getroffen werden müssen, die sich auf gesamte Szenen und Sequenzen auswirken. Ziel ist es, dass der Film am Ende farblich aus einem Guss ist und die Zuschauer*innen nicht durch eine sich ändernde Farbgebung aus der Illusion des Filmes gerissen werden. Eine wichtige Aufgabe ist hier auch, die Balance zwischen realistischer und künstlerischer Korrektur zu finden. Künstlerische Farbkorrektur wirkt sehr schnell übertrieben und/oder unprofessionell. Ist sie jedoch gut getroffen, gibt sie dem Gesamtbild sehr viel.

Eine weitere Aufgabe der Farbkorrektur ist es, Heterogenitäten, die beim Dreh einer Szene entstehen, auszugleichen. Beispielsweise können sich die Lichtverhältnisse beim Dreh einer Szene so schnell verändern, dass die später aufgenommenen Bilder farblich nicht mehr zum Anfang passen. Je nach Filmzeit, muss auch die Helligkeit angepasst werden, damit eine Szene wirkt, als spiele sie im Morgengrauen, am Tag oder am Abend, obwohl sie zu einer ganz anderen Zeit gedreht wurde. Am kompliziertesten wird es bei Szenen, die am Tag gedreht werden, aber wie in der Nacht wirken sollen. Das nennt man dann „Day-for-Night“ oder „D4N“. Das ist teilweise so schwierig, dass ggf. die Abteilung für visuelle Effekte um Hilfe gebeten werden muss, da diese nochmal andere Möglichkeiten der Bearbeitung hat.

Für jede Szene, die fertig geschnitten wurde, wird erstmal eine grundlegende Farbkorrektur angelegt, in der kleinere Ungereimtheiten ausgeglichen werden. Dann wird, je nach künstlerischem Gestaltungswillen, eine zweite Korrekturebene angelegt, in der wir oft mit sogenannten LUTs (Lookup Table) arbeiten. Ein LUT verändert einzelne Farbwerte (der Kamera) und ersetzt diese durch andere Werte (je nach LUT). So verschieben sich bestimmte Farben. Beispielsweise nutzen wir für die meisten Außenaufnahmen in unserem Filmprojekt EVE einen eigens entwickelten LUT namens „dystopia“, der vor allem Grün- und Gelbwerte verschiebt und ein farbenfrohes Bild etwas dystopischer (entsättigter, melancholischer) wirken lässt.

Weitere Aspekte der Farbkorrektur sind die Anpassung von Kontrast, Weiß- und Schwarzwerten, Farbtemperatur, Sättigung, Belichtung, Schatten, Mitteltöne, Glanzlichter und vieles Weitere mehr. Meistens machen die Beleuchtung und die Kamera beim Dreh schon einen super Job, dann haben die Farbkorrektor*innen nicht so viel zu tun, sondern runden nur ab. Allerdings ist es aufgrund unserer kurzen Drehzeit und bei Außendrehs, wo die Beleuchtung weniger Möglichkeiten hat, auch oft so, dass wir noch viele Anpassungen vornhemen.  

"Crushed Ice" stellt uns vor neue Herausforderungen

Nach den Dreharbeiten zu „Crushed Ice“ gab es in der Postproduktion eine wichtige Neuerung: wir haben eine neue Schnitt- und Farbkorrektur-Software verwendet, nämlich DaVinci Resolve der Firma Blackmagic Design. Mit dieser Software sind wir sehr zufrieden, denn wir haben das erste Mal RAW-Footage aufgenommen, BRAW um genau zu sein. Der Nachteil ist, dass RAW-Dateien riesige Mengen an Speicherplatz benötigen. Die Vorteile sind Videodateien, die sich sehr gut farblich bearbeiten lassen. Hier kann mit LUTs gearbeitet werden, die Software ist aber auch bekannt für das node-basierte Arbeiten. Das bedeutet, dass sehr indivuell an einzelnen Aspekten der Farbkorrektur, wie z. B. Exposure, Kontrast, Schwarzwerte und Farben, gearbeitet werden kann.